Rasanter Anstieg der Services
Hinsichtlich der Menge an angebotenen Services ist eine enorme Entwicklung bei den Hyperscalern erkennbar. Vergleicht man die Anzahl der Services mit jenen von vor etwa 4 Jahren (Herbst 2018) zeigt sich ein rasanter Anstieg. Dieser ist neben der steigenden Nutzung und damit auch Nachfrage von Cloud-Diensten auch auf das proaktive Entwickeln der Services, vor allem aus dem US-Markt, zurückzuführen. In den Jahren zuvor wurden noch viele dieser Services bzw. Anwendungen individuell entwickelt oder bereits durch andere am Markt bedient. Die Cloud Provider wollen zwar einerseits einen möglichst geringen Vendor-Lock-in-Effekt bieten, andererseits wollen sie sich klarerweise aber auch als umfängliche Plattform, welche alle notwendigen Services umfasst bzw. diese zumindest anbinden kann, gegenüber den Unternehmen präsentieren. So hat sich in den letzten Jahren gezeigt: Es kommt nicht mehr darauf an, wer die Services am kostengünstigsten anbietet, sondern vielmehr wer die besseren Services auf seiner Plattform bieten kann.
Vergleich in den einzelnen Kategorien
Betrachtet man das Angebot der Hyperscaler, gegliedert nach den Service-Kategorien, so zeigt sich, dass diese, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, bereits ausreichend von allen drei Providern abgedeckt werden. Geht man jedoch tiefer in die einzelnen Kategorien, so zeigt sich, dass durchaus Unterschiede im Angebot bestehen. Die nachstehende Tabelle vergleicht die Verfügbarkeit der Services in den Kategorien.
| Service Kategorie | Verfügbarkeit allgemein | AWS | Azure | Google Cloud |
| Container | 4 | 4 | 4 | 5 |
| Computing | 5 | 5 | 5 | 4 |
| Storage | 5 | 5 | 5 | 4 |
| Database | 4 | 5 | 4 | 3 |
| Managed Network Services (SDN) | 4 | 4 | 4 | 4 |
| Migration | 3 | 4 | 3 | 3 |
| Monitoring & Management | 4 | 5 | 4 | 3 |
| Development | 4 | 4 | 4 | 4 |
| Security & Identity | 4 | 4 | 5 | 4 |
| Analytics & Big Data | 4 | 4 | 4 | 5 |
| AI & ML | 4 | 4 | 4 | 4 |
| IoT | 3 | 4 | 4 | 3 |
1= low availability
5= high availability
Die Anzahl der verfügbaren Services sagt jedoch noch nichts über die Funktionalitäten der einzelnen Dienste aus. Oftmals bieten Provider zwar dieselben bzw. ähnliche Funktionalitäten an, jedoch sind die Services unterschiedlich gebündelt. So bieten manche Provider einen umfassenden Service mit vielen Funktionalitäten an, während andere dieselben Funktionalitäten durch mehrere einzelne Services abdecken. Je nach Kategorie bietet AWS tendenziell eher viele einzelne, spezifische Services an.
In der Kategorie Security und Identity stellt der Service Azure Active Directory ein passendes Beispiel dar. Um die Funktionalität dieses Services (einigermaßen) abzudecken, sind bei AWS und Google eine Vielzahl an verschiedenen Services notwendig. Ähnliches ist auch bei Azure Migrate in der Kategorie Migration erkennbar. Jedoch bietet nicht nur Azure solche konsolidierten Services an, auch bei den anderen beiden gibt es solche. So ist beispielsweise bei Google Cloud der Service BigQuery in der Kategorie Big Data sehr umfassend und kann nur durch mehrere Services der anderen Provider abgedeckt werden. Bei AWS sind solche Services zum Beispiel in der Kategorie Machine Learning mit Amazon Rekognition oder Sagemaker zu finden.
Zudem fällt auf, dass AWS in Bezug auf Monitoring, Management und Cost Management eine große Menge an verschiedenen Services anbietet. Azure und Google Cloud bieten hier zum einen keine so große Anzahl, zum anderen jedoch auch eher konsolidierte Services. Vor allem im Bereich Cost Management ist dies deutlich ersichtlich.
Außerdem ist eine enorme Entwicklung im Bereich AI/ML in den letzten Jahren erkennbar . Bei allen Providern ist die Anzahl der Services in dieser Kategorie erheblich angestiegen. Dies ist aufgrund des großen Fortschritts von AI und ML wenig verwunderlich.
Der wohl größte Unterschied zwischen den Services der drei Hyperscaler ist in der Kategorie Internet of Things (IoT) erkennbar. Hier dominieren AWS und Azure klar vor Google. Während Google nur zwei Services in Bezug auf IoT anbietet, sind bei AWS (14) und Azure (13) eine große Anzahl verschiedener Services mit diversen Funktionen verfügbar.
Betrachtet man das Angebot der Hyperscaler, so wird klar, dass derzeit mehr Services am Markt verfügbar sind, als ein durchschnittliches Unternehmen tatsächlich benötigt. Der Fokus der Unternehmen soll zunächst auf den Basis Services (Compute, Datenbanken, Storage, Monitoring, Security) liegen, über die Unternehmen genauestens Bescheid wissen müssen und deren Nutzung sie evaluieren müssen. Dennoch müssen Unternehmen aber stets auch neuartige Entwicklungen und Möglichkeiten am Markt beobachten, um entscheidende Trends und Potentiale nicht zu verschlafen.
Die Untersuchung der angebotenen Services der Hyperscaler zeigt, dass die Angebote zwar auf den ersten Blick recht ähnlich scheinen, bei tieferer Betrachtung jedoch wesentliche Unterschiede zu erkennen sind. Die Analyse des Angebots liefert zwar wertvolle Erkenntnisse, jedoch daraus Aussagen über die Qualität der Services abzuleiten ist nur schwer möglich. Dazu ist eine tiefere Analyse der einzelnen Services notwendig.
Fazit
Die rasante Entwicklung der drei Hypescaler hat zur Folge, dass sich der Wettbewerb zwischen ihnen in Zukunft immer härter wird. Mittlerweile können alle bereits ein ähnliches Angebot bieten, zumindest was die Anzahl der Services betrifft. Dies kann zur Folge haben, dass der Vorsprung, den sich AWS im Markt erarbeitet hat, zukünftig immer kleiner wird, da vor allem Azure, aber auch Google mittlerweile ähnliche Service-Angebote besitzen. Diese Entwicklung zeigt sich in der aktuellen Cloud-Native-Studie schon im DACH-Raum, wo AWS laut seinen Vorsprung eingebüßt hat und die Services von Azure schon deutlich häufiger genutzt werden.
Doch was bedeutet das für andere Cloud Provider, die mit den Hyperscalern (mehr oder weniger) im Wettbewerb stehen? Diese Provider werden es schwer haben, zum umfangreichen Angebot der Hyperscaler aufschließen zu können. Sie müssen sich auf andere Aspekte fokussieren und versuchen Nischen zu bedienen. Vor allem in den Bereichen Security und Compliance besteht großes Potential. Das könnten vor allem regionale Cloud Provider für sich nutzen, da Unternehmen oftmals ihre vertraulichen Daten nur ungern Providern in Übersee überlassen wollen.
IT-Dienstleister sind gefragt stets auf dem neuesten Stand zu sein und sich intensiv mit dem immer größer werdenden Angebot der Hyperscaler zu beschäftigen sowie deren Nutzen zu evaluieren. Nur so können sie ihre Kunden über die Nutzung dieser Services beraten oder bei der Einführung unterstützen.
Für Unternehmen, die Services der Hyperscaler nutzen, bedeutet die fortlaufende Entwicklung, dass sie sich an einem breiten Angebot von verschiedenen Services bedienen können und zumeist eine Vielzahl an verschiedenen Alternativen auswählen können. Sie müssen sich dabei nicht zwingend auf einen einzelnen Provider fokussieren, sondern können die Services verschiedener Provider kombinieren und somit ihre IT-Landschaft optimal auf ihren Unternehmensbedarf anpassen. Dennoch gibt es aber auch Unternehmen, bei denen ein Single-Cloud-Ansatz durchaus mehr Sinn macht. Vor allem bei jenen, die noch im Anfangsstadium der Cloud-Transformation sind, nur eine geringe Anzahl an Services nutzen und der Großteil (noch) On-Prem läuft, ist dieser Ansatz besser geeignet. Denn für diese Unternehmen birgt die Nutzung verschiedener Cloud Provider kaum Kosten- bzw. Performance-Vorteile. Auch bei Unternehmen, die mit strengen Compliance-Anforderungen konfrontiert sind, ist eine Single –Cloud-Ansatz einfacher handzuhaben. Gleiches gilt für Unternehmen, die überwiegend proprietäre Services anstatt Open Source nutzen.
Generell zeigt die Analyse, dass für die Unternehmen bereits eine Vielzahl an verschiedenen Services zur Verfügung stehen. Diese sind nicht mehr nur auf die Basis-Services für die IT-Infrastruktur beschränkt, sondern bieten auch eine Vielzahl an Mehrwertfunktionen wie AI/ML oder IoT. Die Wahl des richtigen Providers hängt dabei von vielen verschiedenen Faktoren ab und kann für jedes Unternehmen unterschiedlich aussehen. Wichtig ist hierbei , dass bei der Wahl des bzw. der Provider/s nicht einzelne Anwendungsfälle ausschlaggebend sind, sondern die Entscheidung vielmehr auf einer strategischen Ebene getroffen wird. Nur so kann ein Unternehmen für aktuelle aber auch zukünftige Anforderungen und Herausforderungen gerüstet sein.







