Schnittstellen zwischen Software und Psychologie
Cloudflight verbindet Softwareentwicklung und psychologische Forschung, insbesondere in den Bereichen Gesundheitsprävention und Bildung. Diese beiden Bereiche bilden Kernaspekte unseres Dienstleistungsportfolios und zeigen das Potenzial auf, das in der Schnittstelle zwischen Technologie und Psychologie liegt.
Die Rolle der Motivation
In den Bereichen Gesundheit und Bildung ist die Motivation der Nutzer:innen von entscheidender Bedeutung. Dies reicht von der Entscheidung, eine App zur Gesundheitsförderung herunterzuladen, bis hin zur langfristigen Nutzung digitaler Lernwerkzeuge. Die psychologische Forschung bietet eine Fülle von Motivationsmodellen und -theorien, die in der Softwareentwicklung angewendet werden können, um diese Herausforderungen anzugehen.
Phasen der Motivation in psychologischen Modellen
Ein Beispiel für ein solches Motivations-Konzept stellen Phasen- oder Stufenmodelle dar. Diese teilen Motivation in verschiedene Stadien ein, beginnend bei dem vollkommenden Fehlen einer Intention zur Handlungsausführung bis hin zur längerfristigen Aufrechterhaltung einer Handlung:
- Phase der Absichtslosigkeit: In der Phase der Absichtslosigkeit hat die betreffende Person keine Absicht, ihr Gesundheits- oder Lernverhalten in absehbarer Zeit zu verändern. Damit einher geht häufig auch ein fehlendes Problembewusstsein.
- Phase der Absichtsbildung: In der Phase der Absichtsbildung entsteht dann ein erstes Bewusstsein für die Gesundheits- oder lernbezogene Herausforderung, die es zu meistern gilt. Konkrete Absichten zur Handlung sind allerdings in dieser Phase noch nicht vorhanden.
- Phase der Vorbereitung: In der Phase der Vorbereitung werden erste Handlungspläne entworfen, um das gewünschte Gesundheits- oder Bildungsziel in einem festgesteckten Zeitrahmen zu initiieren. Idealerweise werden hierbei auch realistische Pläne für die Handlungsumsetzung erstellt.
- Umsetzung: In der Umsetzungs-Phase wird entweder ein gänzlich neues Verhalten initiiert oder ein gewohntes, nachteilhafteres Gesundheits- oder Lernverhalten ersetzt.
- Aufrechterhaltung: Die Phase der Aufrechterhaltung umfasst die Festigung sowie die Automatisierung des neuen, erwünschten Verhaltens.
Strategischer Einsatz von Motivationsphasen
Die Bestimmung der aktuellen Motivationsphase von Nutzer:innen kann entscheidende Hinweise für die erforderliche Unterstützung geben. Je nach Phase sind unterschiedliche Strategien erforderlich, um die Nutzer:innen zur nächsten Stufe zu führen.
So benötigt eine Person in der Phase der Absichtslosigkeit andere motivationale Anreize als eine Person in der Umsetzungsphase. Ist die Motivationsstufe ermittelt, können gezielte Strategien eingesetzt werden, um das Erreichen der nächsthöheren Stufe zu fördern. Um einen möglichst guten Fortschritt zu gewährleisten, sind in den verschiedenen Stadien unterschiedliche Strategien hilfreich. In den Stadien der Absichtslosigkeit und Absichtsbildung sollten Gesundheits- oder Bildungsinformationen zur Verfügung gestellt werden, die bei der Entstehung eines Problembewusstseins helfen sowie Optionen aufzeigen, wie das vorherrschende, nachteilhafte Verhalten verändert werden könnte.
Im Präparations-Stadium helfen dann konkrete Zeitpläne, wann das Zielverhalten umgesetzt werden soll. Zudem sollten etwaige Hindernisse auf dem Weg zur Zielerreichung identifiziert und Bewältigungsstrategien zurechtgelegt werden. Bei einer erfolgreich durchlaufenen Vorbereitungsphase können die in der darauf folgenden Handlungsphase entstehenden Hindernisse besser bewältigt werden und ein Rückfall auf ein vorheriges Modell-Stadium vermieden werden. Im Stadium der Aufrechterhaltung sollten genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, damit kleinere Rückschläge bei der Ausführung des Zielverhaltens überwunden werden können. Dabei kann eine bewusste Aufzählung bisheriger Erfolge bei der Verhaltensänderung hilfreich sein.
Praktische Anwendungsbeispiele
Gerade im Gesundheits- und Bildungsbereich werden Softwareprodukte wie Smartphone-Applikationen häufig mit der Intention einer Verhaltensveränderung heruntergeladen, jedoch schon nach wenigen Tagen nicht mehr geöffnet. Nutzer:innen haben oft den initialen Wunsch ihr Gesundheitsverhalten oder ihre Lerneffizienz zu verbessern, scheitern aber nach kurzer Zeit an zu hoch gesteckten Zielen und unrealistischen Handlungsplänen. Diese Tatsache unterstreicht die Erkenntnis, dass Intention und Motivation allein nicht automatisch zu einer erfolgreichen Handlungsumsetzung führen. Wird im Installationsprozess einer digitalen Gesundheits- oder Bildungs-Anwendung jedoch bereits die Motivationsstufe der Nutzer:innen ermittelt, können die oben genannten Strategien eingesetzt werden, um wichtige gesundheitliche oder bildungsbezogene Ziele in gut umsetzbare Einzelbausteine aufzuteilen.
Digitale Produkte eignen sich besonders gut, um die motivationalen Vorbedingungen zu prüfen. Durch den gezielten Einsatz von Fragebögen, beispielsweise in Form einer Chatfunktion, kann der Motivationsstatus der Nutzer:innen in kürzester Zeit bestimmt werden. Basierend auf dem jeweiligen Ergebnis kann die entsprechende Software dann den Strategiegebrauch mit angepassten Empfehlungen unterstützen. Beispielsweise könnten in den Stadien der Absichtslosigkeit und Absichtsbildung spezifische, an das Gesundheits- oder Bildungsziel angepasste Informationen, durch eine KI so ausgewählt und präsentiert werden, dass sie den Nutzer:innen bei der Entstehung eines Problembewusstseins behilflich sind. Des Weiteren könnte ein digitaler Assistent den Nutzer:innen in der Präparations-Phase bei der Erstellung von Zeitplänen behilflich sein, indem zunächst realistische Zeiträume für das jeweilige Zielvorhaben vorgeschlagen werden. Anschließend könnte eine Kopplung des digitalen Produkts mit der Kalender- und Erinnerungsfunktion eines Smartphones, Tablets oder Computers dabei helfen, diese Zeitpläne auch einzuhalten. So könnten Push-Benachrichtigungen die Integration des Strategiegebrauchs in den Alltag erleichtern.
Solche mobilen Software-Lösungen erhöhen durch die Berücksichtigung motivationaler Prinzipien sowohl die Nutzungsdauer als auch die Nutzungseffizienz digitaler Applikationen. Diese Vorgehensweise lässt sich auch auf die Gestaltung von weiteren Software-Produkten in verschiedenen Themenbereichen außerhalb des Gesundheits- und Bildungsbereichs übertragen.




